Kalender.
Der Kalender: Das sind Worte zum Bild. Oder Bilder zum Wort. Das ist ein Dialog aus der Ferne. Das ist jeden Freitag ein kleines Lebenszeichen von draußen, ein kleiner Schritt, den ihr gemeinsam mit uns durch das Jahr und durch die Natur wandern könnt, auf der Suche nach Schönheit, Wissen und Wunder. Und es gibt viel zu sehen!
KW 44 - Extremophilie
Und damit lehrt der Blick auf den Vogel im Sturm doch eines: Alle Lebewesen sind unterschiedlich gemacht. Alle haben ihr Optimum, in dem gerade sie am besten funktionieren und, vor allem, sich wohlfühlen. Gilt das nicht auch für uns Menschen? Umstände, in denen ich so richtig aufblühe, müssen dir noch lange nicht passen.
KW 43 – Der etwas andere beste Freund des Menschen
Wer jemals in einem stummen, verschneiten Winterwald das tiefe „korrp, korrp“ gehört hat, mit einem Klang wie ein brechender, morscher Baumstamm; wer jemals ein neugieriges Rabenpärchen über die Baumkronen gleiten sehen hat, den forschenden Blick zum Wanderer gewandt – der weiß: Da ist nicht einfach irgendein Vogel. Da ist jemand.
KW 42 – Der Fitis und der Falke
Auf den Inseln des Mittelmeeres haust, von den Balearen im Westen bis weit im östlichen Marmarameer, ein Falke. Es ist der Eleonorenfalke. Sein Frühling beginnt erst im Spätsommer oder sogar Frühherbst. Denn die Aufzucht der Brut fällt genau dann am leichtesten, wenn das Nahrungsangebot am größten ist.
KW 41 - Lamento
Noch ein letztes Mal zirpt das Sommergoldhähnchen sein schwellendes Cresescendo in die Stille des Raums. Dann brechen 500 Menschen in frenetischen Jubel aus. Das kam auch für mich etwas unerwartet. Nicht der Jubel, wohlgemerkt, der ist am Ende eines außergewöhnlich guten Konzertes ja sicher - sondern das Sommergoldhähnchen!
KW 40 – Bummelzug nach Lübeck
Es ist Zugzeit. Und wenn die so bewunderten Kraniche der PS-strotzende D-Zug auf dem Schnellgleis hoch über der Stadt sind, dann trifft der tatsächlich existierende ornitholgische Begriff des Schleichzuges für das langsame Bummeln gen Süd vieler Kleinvögel ganz besonders gut zu.
KW 39 - Vom Suchen und Finden
Kraniche über Hamburg. Gesehen habe ich bisher erst einen kleinen Trupp von fünfen, aber ich höre viel mehr. Die unverkennbaren, lauten Rufe kann man nämlich selbst in geschlossenen Gebäuden gut wahrnehmen. Erlaubt es die Situation, renne ich hinaus, versuche sie am Himmel zu finden und der Keilformation mit langen Blicken nach Südwest zu folgen.
KW 38 - Innehalten
Ich versuche, mich zu erinnern: Was bedeutet es, einfach ein Mensch zu sein? Vielleicht muss ich demnächst mal den Dreijährigen fragen.
KW 37 - Am Tetenbüllspieker
August. Zwölf Uhr mittags. In Everschopsiel.
Zwei Freunde sitzen am Deich.
Der Blick geht ins Weite. Sie reden nicht viel.
Vom Himmel fällt siebenmal weich
KW 36 – Gemüseauflauf und Krebssuppe
Die Gemüseeule gilt als polyphag. Der Name sagt’s, den Raupen schmeckt also so ziemlich alles. Ich dachte also nicht, dass ich hier krüsche Connaisseure beherberge. Aber weit gefehlt..
KW 35 – Spätsommerfest
Sehen die Tropfen an den Spinnweben nicht irgendwie aus wie eine Reihe kleiner Lampions an einem Festabend? In diesem Sinne: Feiern wir, was ist!
KW 34 – Der Sturmgott und das Vögelchen
Das Odinshühnchen! Der kleine, wunderhübsche Vogel hat wirklich so gar nichts Grobes. Das "Hühnchen" ist ein typische Spätsommerart aus der etwas wunderlichen Familie der Wassertreter, die selten, aber regelmäßig, auf Flachgewässern entlang der Küste auftritt, wenn der Abzug aus den hochnordischen Brutgebieten beginnt.
KW 33 – Genussmomente
Manchmal kommt mir diese Frage wieder in den Sinn, zum Beispiel bei den Futterorgien der Seeschwalben am Eidersperrwerk. Jeder Anflug mit Beute wird von aufgeregtem Geschnatter begleitet. Und wie herrlich blitzen die silbrig-zappelnden Fischchen, wie reich ist das Sortiment! Ich sehe Heringe, Stinte, kleine Plattfische; besonders häufig werden, wie eine Pommesbeilage, Garnelen verfüttert.
KW 32 – Insektenbelustigungen
Einen eigenen Garten gestalten zu dürfen wäre ein Traum! Und mir gehen die Augen über, wenn ich im Sommer mit Jan den Garten eines Freundes besuche.
KW 31 - Käferkosmos
Ich wette, dass wer immer schonmal an einer Salzwiesenführung teilgenommen hat, von ihm gehört hat: Er ist der entomologische Popstar dieses Lebensraumes. Was für die Savanne der Löwe, für die Wüste das Kamel, das ist für die Salzwiese der, aufgepasst - Halligfliederspitzmausrüsselkäfer!
KW 30 - Codes
Jeden Spätsommer beginnt an der Westküste Schleswig-Holsteins ein neuer Schwung junger Leute ihr Freiwilliges ökologisches Jahr oder ihren Bundesfreiwilligendienst. Viele von ihnen werden mit Ornithologie zu tun bekommen, und witzigerweise trifft der Orni-Nachwuchs ungefähr zeitgleich mit dem ersten Watvogel-Nachwuchs aus arktischen Gefilden ein. Der ist dann schon wieder auf dem Weg gen Süden und bevölkert in großer Zahl und vielerlei Arten die Ästuare.
KW 29 – 112-Entomologie-Konsil!
Forscher der Uni Würzburg haben nämlich herausgefunden: Bienenwolf-Weibchen kultivieren auf ihren Antennen Streptomyces-Bakterien, und die wiederum produzieren – Antibiotika!
KW 28 – Der Haltepunkt am Ende des Kreislaufs
Gestern Abend ist die Hütte auf Trischen abgebrannt. Es stehen nur noch glimmende Holzstümpfe. Gottlob ist der Vogelwart unverletzt davongekommen. Nachdem das klar und damit der erste und größte Schrecken vorüber war, merkte ich, wie sich etwas sehr, sehr Schweres in mir setzte. Ich bin es bis heute Abend noch nicht losgeworden. Natürlich ist das die Trauer.
KW 27 – Die Unendlichkeit in einer Kornblume
Denn am Wegrand stehen sie eben, die Kornblumen. Und wenn es Lieblingsfarben gibt, gibt es vielleicht auch Lieblingskontraste. Wie herrlich ist ein goldgelbes Kornfeld, gespickt mit frischen, tiefblauen Kornblumen! Die sind füreinander gemacht.
KW 26 - Einfach mal abschalten
Trinkt genug Wasser! Geht raus, kurz in die Sonne, lange in den Schatten. Und verbringt die Zeit mit Blumen, Vögeln, Freunden, Schmetterlingen und vielleicht einem kühlen Glas Bier oder Schorle. Und jetzt heißt es, wie früher bei Peter Lustigs Löwenzahn: Einfach mal abschalten! Passt auf euch auf.
KW 25 – Wer glaubt noch an Nymphen?
Das Schachbrett und der Kaisermantel, der Mauerfuchs und die verschiedenen Dickkopffalter, auch viele Bläulingsarten sind eigentlich keine exquisiten Seltenheiten. Für sie braucht es nicht viel mehr als ein paar blumenreiche, pestizidverschonte Wiesen und lichte Waldränder. Warum bin ich also so schwer begeistert? Natürlich sind das wunderschöne Wesen. Ich habe sie aber einfach viel zu lange nicht gesehen, denn sie sind aus unserer Landschaft zu weiten Teilen längst verschwunden.