KW 12 - Dreamteam

Der Uhu war riesengroß, etwa von der Größe eines ausgewachsenen Grizzlybären. Er lag auf dem Rücken in einer Scheune, schnarchte aus Leibeskräften und sein flaumfeines Gefieder sah unglaublich kuschelig aus. Ich war hin- und hergerissen zwischen Angst vor seinen riesenhaften Klauen auf der einen und dem Bedürfnis, mich in seine Federn zu werfen auf der anderen Seite..

Okay, jetzt ist Till endgültig durchgedreht, oder? Keine Sorge. Ich habe nicht begonnen, auf sehr basalem Niveau Fantasy zu schreiben. Das obenstehende Versatzstück habe ich neulich geträumt. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht weiter darüber spekulieren, ob und was das wohl zu sagen haben könnte. Nein. Ich mache ein Kreuzchen. Und zwar auf meiner Traumtierliste. Den Uhu hatte ich nämlich noch nicht.

Vogelbegeisterte wirken auf Außenstehende ja häufig ein wenig seltsam, und ein Teil dieser Seltsamkeit gründet sicher im manchmal geradezu neurotisch anmutenden Führen von Listen. Sie alle basieren auf der Frage: Welches Tier (meist aber: welchen Vogel) habe ich schon gesehen? In meinem Leben. In meinem Heimatort. In Ecuador. In Dänemark. In (Mittel-, Nord-, Süd-)Europa. Auf dem Plumpsklo in Schweden. Im Jahr 2026. Falls der Listen noch nicht genug sind auch gerne unter Anwendung von Spezialfaktoren: Singvögel im März in Spanien 2023 mit Jan. Oder auch: Nachtfalter in Notaufnahme-Nachtdiensten im Kinder-UKE. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Und das meine ich wortwörtlich. Denn was läge näher, als auch die Tiere, die im Traum erscheinen, einmal hübsch ordentlich aufzuschreiben? Als zoologisches Dreamteam sozusagen. Kleiner Auszug aus meiner Liste: Schneekranich, Kanadakranich, Kranich, Waldkauz, Bartkauz, Schleiereule, Zwergohreule, Eisvogel, Mantarochen, Goldglänzender Rosenkäfer... natürlich verlängert sich die Liste, je mehr man sich damit beschäftigt – also sowohl mit den Tierarten als auch mit den Träumen. Und es ist so verdammt spannend! Letzte Nacht ist mir eine Blattnasen-Fledermaus begegnet (leider konnte ich sie nicht auf Artniveau bestimmen). Ich möchte behaupten, dass nicht einmal eine zoologische Rundreise durch das Amazonasdelta überraschender sein könnte als das, was das Hirn nachts produziert.

Ich bin versucht, noch viel mehr darüber zu schreiben. Was ist das für ein herrliches Cross-Over-Thema aus Zoologie, Psychologie und Kulturanthropologie! Ich fürchte aber, dass dafür in diesem Format der Platz nicht ausreicht. Die Zeit übrigens auch nicht. Denn: Ich muss ja bald ins Bett und träumen. Wer weiß, was mich heute erwartet?

Versucht’s doch auch mal und schreibt uns, wer euch im Traum begegnet ist (Prähistorische Tiere und alles aus der Kryptozoologie zählen auch!)!

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KW 11 - Ablenkung