KW 10 - Le Grand duc

Jans Kartiersaison hat wieder begonnen, und manchmal fällt dabei etwas für mich ab. Vor ein paar Tagen schickte er mir spät abends noch eine Tonspur. Ich bin dann immer auf einen Schlag kurz selbst mit draußen, auch, wenn ich gerade eigentlich bei der Arbeit oder schon im Bett bin. So auch neulich. Ich war schon fast eingeschlafen. Aber plötzlich war der Raum erfüllt von diesem Sound:

„BOOOUHHH…….…BOOUHHHHH.“ Kein Zweifel. Ein Uhu.

Was für ein Klang! Klar, das ist alles andere als lieblich. Der „abscheuliche Laut“ kündete in früheren Zeiten angeblich von allerlei Unheil (Krieg, Brand, Pest, wahlweise Jungen- oder Mädchensterben; lautliche Assoziationen sind unter anderem das Jauchzen von Betrunkenen oder das letzte Röcheln eines Mannes, der im Busch erdrosselt wird)*. Naja. Ich finde, es hat einfach Bumms. Etwas Physikalisches, etwas Geheimnisvolles, irgendwo zwischen Subwoofer und Atom-Uboot. Und wenn irgendein Ton zum vollen Mond gehört, ist es dieser zauberische Klang.

Ich liebe auch die volkstümlichen Uhu-Namen. Vor Jahren bin ich einmal nachts im Februar aus den verschneiten Bergen nahe Schloss Neuschwanstein abgestiegen. Aus den Wäldern ums Schloss hörte ich von Ferne, irgendwo zwischen den am Hang aufragenden Föhren und Türmen, einen Uhu rufen. Er klang unendlich einsam und unendlich alt.

Aber der Uhu trägt nicht nur lautmalerische Namen wie „Schubut“, „Huivogel“ oder ein bisschen niedlich „Huhu“. Nein, er führt – im Französischen – einen noch viel klangvolleren, sehr romantischen Titel: Le Grand duc. Der Großherzog. Neuschwanstein ist also doch nicht nur von Touristen bevölkert!

PS: Wer sich fragt, ob es neben dem „Grand“ auch einen „petit“ duc gibt, wird fündig..!

Anbei findet ihr die Tonaufnahme zum Nachhören:

 

*Ernst und Luise Gattiker, „Die Vögel im Volksglauben“, AULA-Verlag 1989

Weiter
Weiter

KW 9 - Schon wieder zu spät dran...!