KW 16 - Let’s dance!
Jan konnte in den letzten Tagen Rothalstaucher bei der Balz fotografieren. Das Vogelpaar hätte sich keine romantischere Szene aussuchen können: Ein Tanz in wallenden Morgennebeln, getrimmt auf absolute Synchronität, auf einer Wasserfläche so glatt spiegelnd wie ein frisch gewienerter Ballsaal. Das aufeinander-zu und voneinander-weg, das voreinander-aus-dem-Stand in-die-Luft-schrauben und die ganz kurzen Augenblicke intimerer Schnabelberührungen; das formalisierte Spiel mit Nähe und Distanz folgt genau austarierten Regeln, wie sie einem Tango Argentino nicht schöner eingeschrieben sein könnten (Den Taucher-Tango kann man übrigens auch auf dem heimischen Stadtteich beobachten, die etwas häufigeren Haubentaucher folgen nämlich einer ganz ähnlichen Choreographie).
Das ist zunächst mal ein ästhetisches Schauspiel, genau wie Amselgesang, ein Zitronenfalter-Balzflug oder eben der Tanz zweier sich einander annähernder – oder schon seit Jahren eingespielter! – Menschen. Was immer lebt, will auch lieben, und tanzt seine kleine Cumbia, den Schuhplattler, Walzer oder Lindy Hop um auszutarieren oder zu bekräftigen, wie gut man zueinander passt.
Es gibt natürlich noch mehr Wege, seine Zuneigung zu er- und bekunden. Die Seeschwalbe setzt gerne auch auf Geschenke, die Nachtigall auf Liebeslieder und der Taucher eben auf Tanz. Allen aber ist eigen, dass dem Gegenüber durch eine sinnlich fassbare Geste Respekt entgegengebracht wird. Vielleicht greife ich ein wenig zu hoch, wenn ich einem bis über beide Vogelohren verliebten Nachtigallerich solche Tugenden andichte, aber ein schönes Bild ist es doch: Ein Lied komponieren, um zu bezaubern. Einen Tanz erlernen, um eine gemeinsame Balance zu finden. Als seit zwanzig Jahren verheiratetes Uhupärchen der Geliebten auch noch die zehntausendste Maus in die Bruthöhle bringen. Nur so kann das klappen mit der Liebe – mit Einfühlungsvermögen und Respekt!
Weitere Bilder der Rothalstaucher im Nebel findet ihr auf der Website von Jan.